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Identifizierung und Charakterisierung von Zielgenen des EBV nuklearen antigens 2 (EBNA2).
München, LMU, Chemie und Pharmazie, Diss., 2003, 134 S.
Das Epstein Barr Virus (EBV) ist ein ubiquitär vorkommendes Herpesvirus,
mit dem etwa weltweit 90% der erwachsenen Bevölkerung permanent
infiziert sind. Die zumeist asymptomatisch verlaufende Infektion
betrifft primäre B–Zellen des Rachenraumes, die nach Aufnahme des Virus
entweder zur Virus-Produktion (lytischer Zyklus) oder zur Proliferation
angeregt werden (Latenzprogramm, Entstehung von B-Lymphoblasten).
Letzteres wird durch den viralen Transkriptionsfaktor EBNA2
kontrolliert, der durch seine viralen und zellulären Zielgene ruhende
B-Zellen in vitro immortalisieren kann. Die EBV-infizierten
B-Lymphoblasten werden in vivo effizient durch T-Zellen erkannt und
abgetötet. EBV entkommt der Immunantwort durch Persistenz in
Gedächtnis-B-Zellen, die vermutlich durch Differenzierung der
infizierten B-Lymphoblasten entstehen. Es gibt Hinweise, dass diese
Differenzierung EBV-vermittelt unter der Mitwirkung von T-Helfer-Zellen
abläuft, was auf eine komplexe Kommunikation des Virus mit dem
Immunsystem schließen lässt.
In der vorliegenden Arbeit wurden Mechanismen der EBV-vermittelten
B-Zell-Immortalisierung und -Kommunikation untersucht. Ein Vergleich von
EBNA2-Zielgenen mit Zielgenen des Protoonkogens c-myc, das bei
Überexpression B-Zell-Proliferation induzieren kann, ermöglichte dabei
die Unterscheidung von Zielgenen, die mit Proliferation und
B-Zell-Kommunikation assoziiert sind. Die methodische Herangehensweise
bestand in der Proteom-Analyse (2D-Gelelektrophorese mit
massenspektrometrischer Proteinidentifikation),
Promotoraktivitäts-Analyse (nukleärer Run-On) und einer umfassenden
mRNA-Expressions-Analyse (DNA-Chip-Hybridisierung) konditional oder
permanent MYC- oder EBV/EBNA2-abhängig proliferierender Zellen.
Die erhaltenen Daten bestätigen, dass die von EBNA2 und MYC gemeinsam
induzierten Zielgene in grundlegende Prozesse der Lebenserhaltung wie
den Nukleotid-, Protein-, und Polyamin-Stoffwechsel, sowie in die
oxidative Stressantwort, DNA-Reparatur und Zellteilung involviert sind.
Dagegen waren gegensätzlich regulierte Gene funktionell in den Bereich
B-Zell-Signaltransduktion- und B-Zell-Kommunikation einzuordnen. Die
EBV-abhängige Proliferation ist sowohl mit der Aktivierung des
NFkB-Signalwegs assoziiert, als auch mit der verstärkten Expression
zentraler Komponenten der Interferon (IFN)-Antwort (insbesondere STAT1)
und mit der Repression von Komponenten des B-Zell-Rezeptors (BCR) und
der BCR-Signaltransduktion. Die NFkB-Aktivierung führt zur Induktion von
antiapoptotischen Genen und von Chemoattraktoren für T-Helferzellen.
Die aus Array- und Protein-Daten hervorgehende EBV/EBNA2-vermittelte
Aktivierung des NFkB- und des IFN-Signalweges einerseits und die
MYC-vermittelte Repression derselben andererseits könnten das molekulare
Bindeglied zwischen EBV-vermittelter T-Zell-Stimulation und
MYC-vermittelter Immuntoleranz darstellen. Die chemokinvermittelte
T-Zell-Rekrutierung und die vermutlich durch STAT1-Expression
begünstigte Antigen-präsentation weisen T-Zellen eine aktive Rolle bei
der Reifung von EBV-infizierten Lymphoblasten zu B-Gedächtniszellen zu.
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Publication type
Other: Thesis
Thesis type
Doctoral thesis
Quellenangaben
Pages: 134 S.
University
LMU
University place
München
Faculty
Chemie und Pharmazie
Institute(s)
Research Unit Gene Vector (AGV)