as soon as is submitted to ZB.
Spezifische T-Zellantwort und Immunevasion beim humanen Herpesvirus 6 und SARS-CoV-2.
München, Ludwig-Maximilians-Universität, Fakultät für Chemie und Pharmazie, Diss., 2023, 175 S.
Die Primärinfektion mit dem humanen Herpesvirus 6 (HHV-6) findet meist im frühen
Kindesalter statt und verursacht vor allem ein mehrtägiges Fieber („Drei-Tage-Fieber“).
Nach dem Erstkontakt etabliert sich eine latente Infektion mit dem HHV-6-Virus, die von
immunkompetenten Menschen in der Regel lebenslang gut beherrscht wird. Bei
Immunsupprimierten kann sich das HHV-6-Virus reaktivieren und teils schwere
Erkrankungen hervorrufen. Die Behandlung dieser Erkrankungen mit antiviralen
Medikamenten ist mit starken Nebenwirkungen verbunden, weshalb ein hoher Bedarf an
alternativen Therapien besteht. Eine mögliche, wesentlich nachhaltigere Therapieform
wäre ein adoptiver Transfer virusspezifischer T-Zellen. Dafür bedarf es einer genaueren
Erforschung der Komponenten der virusspezifischen T-Zellantwort gegen HHV-6.
Im ersten Teil dieser Dissertation wurden Vorarbeiten über ein immunogenes Antigen U86
(IE-2) weitergeführt und insbesondere die T-Zellantwort des stark immundominaten
Epitops DFK aus HHV-6B genauer charakterisiert. Auch sollte eine mögliche Ursache für
die Immundominanz DFK-spezifischer T-Zellen in HHV-6-positiven Spendern gefunden
werden. Es konnte gezeigt werden, dass das DFK-Epitop einen ungewöhnlich hohen Grad
an Polymorphismus zu anderen Roseoloviren aufwies, da die DFK-spezifischen T-Zellen
nur HHV-6B- aber weder HHV-6A- noch HHV-7-infizierte Zellen erkannten. Generell ist
Polymorphismus ein Zeichen für einen hohen Selektionsdruck, der auf diesem Epitop liegt.
Dieser Selektionsdruck spricht stark für die Tatsache, dass es sich bei dem DFK-Epitop
nicht nur um ein besonders immundominierendes, sondern auch protektives Epitop
handelt, welches zukünftig auch in einer therapeutischen Behandlung nützlich sein kann.
Der zweite Teil der Arbeit konzentrierte sich auf die Charakterisierung der T-Zellantwort gegen die beiden HHV-6B-Antigene U38 (DNA-Polymerase) und U41 (DNA-Bindeprotein)
hinsichtlich ihrer Spezifität und Funktionalität. Gegen beide Antigene U38 und U41 konnten
in einem HHV-6B-positiven Spender spezifische CD4+- und CD8+-T-Zellen gefunden
werden. Diese T-Zellen waren sowohl in der Lage das Virus im Kontext der Infektion in
vitro zu erkennen als auch infizierte Zellen erfolgreich zu lysieren. Die so identifizierten
U38- und U41-spezifischen Epitope der analysierten T-Zellen können zukünftig
beispielsweise für ein krankheitsbegleitendes Immunmonitoring verwendet werden aber
geben uns jetzt schon einen weiteren Einblick in die spezifische Immunantwort gegen
HHV-6B. Im letzten Teil der Arbeit wurde die T-Zellimmunität gegen das im Dezember 2019 erstmals
in Wuhan (China) entdeckte, pandemische Virus SARS-CoV-2 untersucht.
Hierzu wurde in einem ersten Projekt eine Patientin mit einem follikulären Lymphom und
einer SARS-CoV-2 Infektion analysiert. Es gab für diese Patientin einen bereits
vorhandenen Datensatz zu neuen SARS-CoV-2-Mutationen, die in ihr gefunden worden
waren. Daher wurde die Hypothese getestet, ob ein Teil der Mutationen durch
Immunevasion gegenüber CD8+-T-Zell-Antworten zu erklären sei. Dazu wurden SARS-
CoV-2-spezifische T-Zellkulturen etabliert und diese gegen mögliche T-Zellepitope in ihrer
Wildtyp- und Mutanten-Version getestet. Da die SARS-CoV-2-spezifischen T-Zellen nicht
in der Lage waren die mutierten Epitope zu erkennen, konnte hier eine Immunevasion der
T-Zellen nachgewiesen werden.
Das zweite Projekt untersuchte inwieweit mRNA-basierte Impfstoffe gegen SARS-CoV-2
bei einer Kohorte von Krebspatienten, die an verschiedenen hämatologischen Malignomen
erkrankt sind, Spike-spezifische T-Zell-Antworten auslösen können. Es konnte erfolgreich
gezeigt werden, dass eine Zwei-Dosen-Impfung gegen SARS-CoV-2 in der Lage ist,
funktionelle IFN-γ-sekretierende Spike-spezifische T-Zellen bei der Mehrheit der Patienten
zu induzieren.
Zusammengefasst können die Ergebnisse dieser Doktorarbeit dazu beitragen, dass der
Wissensstand zur T-Zellimmunität gegen die zwei stark verbreiteten Viren HHV-6 und
SARS-CoV-2 erweitert wird, um in Zukunft T-Zell-basierte Immuntherapien, Impfungen,
Diagnose- und Monitoringverfahren zu entwickeln.
Altmetric
Additional Metrics?
Edit extra informations
Login
Publication type
Other: Thesis
Thesis type
Doctoral thesis
Quellenangaben
Pages: 175 S.
University
Ludwig-Maximilians-Universität
University place
München
Faculty
Fakultät für Chemie und Pharmazie
Institute(s)
Research Unit Gene Vector (AGV)